Geschäftsklimaindex Consulting: Trotz positivem Blick nach vorn fordern vielfältige Herausforderungen die Aufmerksamkeit der Branche
Bonn (ots) –
Der Geschäftsklimaindex im Consulting, den der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V. quartalsweise erhebt, zeigt im letzten Quartal 2025 eine leicht rückläufige Seitwärtsbewegung. Dabei nähert er sich mit einem Wert von 88,7 (Q3 2025: 90,3) weiter dem ifo-Geschäftsklimaindex (87,6) an. „Die anhaltende Seitwärtsbewegung bestätigt eine gewisse Marktzurückhaltung. Dennoch hat die Marktdynamik im vierten Quartal 2025 zugenommen, so dass wesentlich mehr Firmen positiv in die Zukunft blicken als Ende 2024.“, erläutert BDU-Präsidentin Iris Grewe. „Hierbei ist interessant, wie die unterschiedlich ausgerichteten Consultingfirmen auf die veränderten Marktanforderungen, besonders bezogen auf die Kompetenzen und Aufgaben der Beschäftigten, reagieren.“
Die aktuelle Geschäftslage ist zwar im Vergleich zum Vorjahr ähnlich, allerdings sehen die Unternehmen für 2026 deutlich positiver in die Zukunft. 30 Prozent der Beratungen erwarten günstigere Geschäftsaussichten (Q4/24: 26%) und nur 23 Prozent gehen von ungünstigeren Geschäftsaussichten aus (Q4/24: 30%). „Viele Beratungen spüren eine wiedererwachte Bereitschaft im Markt, bestimmte Projekte trotz uneinheitlicher Gesamtkonjunktur anzugehen.“, erklärt Iris Grewe diese Veränderung gegenüber dem Vorjahr.
Kleine Beratungen am stärksten unter Druck
Bezogen auf die Unternehmensgröße spüren kleine Beratungen die aktuelle Zurückhaltung im Markt am stärksten. Hier ist der Geschäftsklimaindex, der die aktuelle Geschäftslage sowie die Zukunftsaussichten umfasst, um fast zehn Punkte auf 81,7 gefallen. Am positivsten zeigt sich der Index der großen Beratungen (+2,6 Punkte) und der Beratungen zwischen 250.000 Euro und 1 Mio. Euro Umsatz (+2,4 Punkte).
Aufgeschlüsselt nach Beratungsbereichen zeigen sich bei Sanierungsberatung mit einem Geschäftsklimaindex von 106 (+3,4 Punkte) und in der IT-Beratung mit einem Index von 93 (+3,5 Punkte) die stärksten Indexwerte. Das Schlusslicht bildet die HR-Beratung mit einem Geschäftsklimaindex von 82
(-2,1%). Auffallend ist, dass Strategieberatungen mit 27 Prozent (Q3: 12%) und Organisations- und Prozessberatungen mit 28 Prozent (Q3: 17%) am ehesten ungünstigere Geschäftsaussichten erwarten.
Professional Services mit stärkstem Nachfragezuwachs in 2025
Bei den Branchen führen im Jahresvergleich weiterhin Versorger (47%) und Public Sector (42%) die Liste der nachfragestärksten Branchen an. Fahrzeugbau (15%), Maschinenbau (14%) und Chemie (7%) bilden wie im vierten Quartal 2024 die Schlusslichter.
In der Branche der Professional Services zeigte sich im Laufe des letzten Jahres stetig wachsende Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen, so dass die Branche im Q4/25 mit 35% die drittstärkste Nachfrage zeigte (Q4/24: 23%, Platz 11).
Mittelgroße und große Beratungen stellen sich aktiver den Veränderungen in Kompetenzen und Aufgaben als kleine Firmen
Bei den Veränderungen der Kompetenzen zeigt sich eine Spreizung nach Größenklassen: Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt der Anteil der Unternehmen, die von Kompetenzveränderungen berichten.
Bei den Aufgaben fällt auf, dass sich weniger die Aufgaben an sich verändert haben, sondern vor allem die Art der Bearbeitung. Auf Leitungsebene geben 73 Prozent der kleineren, 81 Prozent der mittelgroßen und 79 Prozent der großen Consultingunternehmen an, dass sich die Aufgaben „etwas“ oder „deutlich“ verändert haben. „KI und Automatisierung verändern in vielen Dingen die Tätigkeitsdurchführung. Die Tätigkeit an sich verändert sich dabei jedoch nicht.“, konkretisiert Iris Grewe.
Beleuchtet man den Umgang mit dieser Veränderung unter Berücksichtigung der Größenklassen der Unternehmen, zeigen sich deutliche Unterschiede. Kleinere Consultingunternehmen gehen bislang weniger systematisch mit dem Kompetenzwandel um. So integrieren nur 37 Prozent der kleineren Firmen die Kompetenzentwicklung in Leistungs- und Karriereprozesse. Im Gegensatz dazu tun dies bereits 69 Prozent der mittelgroßen und 93 Prozent der großen Unternehmen. Ebenso haben bisher nur 24 Prozent der kleinen Unternehmen ihre Recruiting-Profile angepasst, im Gegensatz zu 72 Prozent der mittelgroßen bzw. 79 Prozent der großen Unternehmen.
Wichtigkeit von Kundennähe im Widerspruch zu gelebtem Homeoffice
Trotz der vermeintlichen Wichtigkeit von Kundennähe sind Beraterinnen und Berater im Schnitt nur 1,4-1,5 Tage pro Woche beim Kunden. Die Möglichkeit für Homeoffice ist in 95 Prozent des Gesamtmarkts etabliert, allerdings planen 17 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten höhere Präsenzzeiten und nur noch vier Prozent eine weitere Flexibilisierung. Hier zeigt sich ein Zielkonflikt vieler Unternehmen: Während Homeoffice bei 75 Prozent der Befragten zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden beiträgt, so sehen nur 40 Prozent einen positiven Einfluss bei der Produktivität. Deutlich negativ wird Home Office im Hinblick auf die Einarbeitung neuer Teammitglieder (81%), der Zusammenarbeit (70%) und der Kundennähe (58%) sowie dem Vertriebserfolg (54%) gesehen. „Die Unternehmen müssen die positiven Effekte für das Personal gegen die operativen und marktbezogenen Herausforderungen abwägen.“, sagt Iris Grewe und ergänzt: „Erwartbar ist daher, dass sich mittelfristig das Verhältnis von Präsenzarbeit und Home Office weiter in Richtung Präsenz verschieben wird. Vor allem, wenn es um die Akquisition und Betreuung von Neukunden und -geschäft geht“.
Über den BDU:
Im Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V. sind aktuell rund 600 Unternehmen mit 19.000 Beraterinnen und Beratern organisiert. Damit zählt der BDU weltweit zu den drei führenden Wirtschafts- und Berufsverbänden der Consultingwirtschaft.
Zur Systematik
Der an die Systematik des ifo-Instituts angelehnte BDU-Geschäftsklimaindex (GKI) erscheint quartalsweise und bildet die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Erwartungen der Branche an die geschäftliche Entwicklung ab.
Größenklassen: Der BDU-Geschäftsklimaindex ordnet die Beratungen in die fünf Kategorien Große Beratungen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro, Mittelgroße Beratungen (1 bis 10 Millionen bzw. 10 bis 50 Millionen Euro) sowie Kleinere Beratungen (1 Million bis 250.000 bzw. unter 250.000 Euro).
Beratungsfelder: Organisations- und Prozessberatung, Strategieberatung, IT-Beratung, HR-Beratung, Sanierungsberatung
Teilnehmende: An der Befragung haben sich insgesamt 253 Beraterinnen und Berater beteiligt.
Pressekontakt:
Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V.
Annette Sausen
Joseph-Schumpeter-Allee 29 | 53227 Bonn
T +49 (0) 228 9161-14 | [email protected]
Original-Content von: BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots
