Rittal ohne Nachfolger – warum ungeklärte Unternehmensnachfolge Milliardenwerte gefährden kann

Schwarzach (ots) –

Friedhelm Loh hat Rittal zu einem Weltmarktführer aufgebaut – doch mit 80 Jahren ist seine Nachfolge weiterhin nicht abschließend geklärt. Laut WirtschaftsWoche sind bereits drei potenzielle Nachfolger wieder ausgeschieden. Der Fall zeigt besonders deutlich, dass selbst wirtschaftlich extrem erfolgreiche Familienunternehmen verwundbar werden können, wenn die Übergabe an die nächste Führungsgeneration zu lange offenbleibt.

Unternehmer verbringen Jahrzehnte damit, den Wert ihrer Firma aufzubauen – und behandeln die Nachfolge trotzdem häufig wie ein Thema für die letzten Jahre. Dabei kann eine ungeklärte Übergabe genau das gefährden, was über Generationen geschaffen wurde. Nachfolgend erfahren Sie, warum die Suche nach einem Nachfolger frühzeitig beginnen muss, welche Fehler gerade erfolgreiche Familienunternehmer häufig machen und wie sich Unternehmen so strukturieren lassen, dass ihr Wert nicht von einer einzelnen Person abhängt.

Nachfolge braucht mehrere Jahre

Eine Unternehmensnachfolge lässt sich selten innerhalb weniger Monate organisieren. Das gilt besonders dann, wenn der bisherige Eigentümer über Jahrzehnte zugleich zentrale Führungspersönlichkeit und strategischer Entscheider war. Je stärker ein Unternehmen auf eine Person zugeschnitten ist, desto schwieriger wird der Übergang.

Deshalb sollten sich Unternehmer bereits ab Mitte 50 mit dem Thema beschäftigen. Das bedeutet keineswegs, dass der Rückzug unmittelbar bevorstehen muss. Vielmehr entsteht so genügend Zeit, unterschiedliche Möglichkeiten zu prüfen und geeignete Kandidaten aufzubauen.

Gerade eine interne Lösung braucht mehrere Jahre. Wer das operative Geschäft kennt, kann schließlich nicht automatisch von heute auf morgen die Gesamtverantwortung übernehmen. Neben fachlicher Kompetenz zählen strategische Entscheidungen, Personalführung sowie der Umgang mit wichtigen Geschäftspartnern. Verantwortung sollte deshalb schrittweise übertragen werden.

Wenn die Familie nicht übernehmen kann

In Familienunternehmen erscheint es häufig naheliegend, die Firma innerhalb der Familie weiterzugeben. Doch nicht immer möchte die nächste Generation übernehmen oder bringt die notwendigen Voraussetzungen mit. Wird diese Frage zu spät geklärt, fehlen irgendwann die Alternativen.

Neben einer familieninternen Übergabe kann deshalb eine Führungskraft aus dem Unternehmen aufgebaut werden. Ebenso kommen ein externes Management oder ein Verkauf infrage. Je früher Unternehmer diese Möglichkeiten prüfen, desto größer bleibt ihr Handlungsspielraum. Scheitert ein Kandidat, kann noch rechtzeitig nach einer anderen Lösung gesucht werden.

Problematisch wird es dagegen, wenn äußere Umstände plötzlich zum Handeln zwingen. Eine Erkrankung oder ein Unfall kann dazu führen, dass der Eigentümer unerwartet ausfällt. Auch veränderte wirtschaftliche Bedingungen können den Zeitdruck erhöhen. Fehlt dann eine belastbare Nachfolgeregelung, muss eine der wichtigsten Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens unter denkbar schlechten Voraussetzungen getroffen werden.

Abhängigkeit vom Eigentümer kann zum Risiko werden

Eine ungeklärte Nachfolge betrifft nicht nur die Führung, sondern kann auch den Unternehmenswert beeinflussen. Entscheidend ist schließlich, ob eine Firma auch ohne ihren bisherigen Eigentümer stabil funktioniert.

Hängen wichtige Kundenbeziehungen, strategisches Wissen oder wesentliche Entscheidungen ausschließlich an einer Person, entsteht eine erhebliche Abhängigkeit. Für potenzielle Käufer oder Investoren kann genau das zum Risiko werden. Ein wirtschaftlich starkes Unternehmen ist daher nicht automatisch gut auf einen Eigentümerwechsel vorbereitet.

Nachfolgeplanung bedeutet deshalb mehr als die Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Verantwortlichkeiten sollten frühzeitig verteilt, Entscheidungswege klar geregelt und relevantes Wissen innerhalb der Organisation verankert werden. Auch wichtige Beziehungen zu Kunden, Banken, Lieferanten und anderen Partnern dürfen langfristig nicht ausschließlich über den Eigentümer laufen.

Dadurch entsteht ein Unternehmen, das unabhängig von einer einzelnen Person handlungsfähig bleibt. Gleichzeitig kann der bisherige Eigentümer beobachten, wie mögliche Nachfolger mit wachsender Verantwortung umgehen, und bei Bedarf eingreifen. Der Wechsel erfolgt damit schrittweise statt abrupt.

Aus einer starken Position heraus entscheiden

Neben personellen und organisatorischen Fragen müssen bei einer Nachfolge auch steuerliche und finanzielle Aspekte berücksichtigt werden. Deshalb kann es sinnvoll sein, frühzeitig beispielsweise Steuerberater einzubeziehen. Wird ein Verkauf erwogen, können zudem M&A-Berater den Prozess vorbereiten und begleiten.

Der entscheidende Vorteil einer frühen Planung liegt jedoch im Faktor Zeit. Wer erst handeln muss, weil Alter, Krankheit oder andere Umstände keine Alternative mehr lassen, verliert Möglichkeiten. Wer sich dagegen Jahre vorher mit der Nachfolge beschäftigt, kann Kandidaten entwickeln, Strukturen anpassen und verschiedene Szenarien vorbereiten.

Eine erfolgreiche Übergabe beginnt daher lange vor dem tatsächlichen Rückzug. Denn der über Jahrzehnte aufgebaute Wert eines Unternehmens hängt nicht nur davon ab, wie erfolgreich es unter seinem bisherigen Eigentümer ist. Ebenso wichtig ist, ob es auch ohne ihn dauerhaft handlungsfähig bleibt.

Über Fabian Zamzau und Michael Polit:

Fabian Zamzau und Michael Polit sind die Geschäftsführer der Otter Consult GmbH. Sie unterstützen Unternehmer dabei, einen qualifizierten Nachfolger für ihren Betrieb zu finden, um ihn im Anschluss gewinnbringend an den Interessenten zu verkaufen. Das Team der Otter Consult GmbH begleitet seine Kunden hierbei bei allen wichtigen Prozessen und Entscheidungen und betreut sie vollumfänglich bis zum Verkauf. Weitere Informationen unter: https://otterconsult.de/

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