Unternehmen scheitern am Bürokratieabbau / Studie: Mehr als 60% der Unternehmen sind bürokratisch / Chefs unterschätzen Belastung in der Firma / 22,9% der Bürokratie kommt aus dem Unternehmen selbst
Luzern/Berlin (ots) –
Trotz Warnrufen von Verbänden und breiter öffentlicher Diskussion – in Sachen Bürokratie haben Deutschlands Unternehmen ihre eigenen Hausaufgaben nicht gemacht. Zu diesem Befund kommt eine neue Studie des Beratungsunternehmens die kontur aus Luzern unter Erwerbstätigen in Deutschland. 60,9 % aller Erwerbstätigen in Deutschland halten ihr Unternehmen für bürokratisch, 22,9 % der Bürokratie ist sogar hausgemachte „Firmokratie“, für die Unternehmen selbst verantwortlich sind. Die Folgen: Mehr unnötige Arbeit, während die eigentliche Arbeit liegen bleibt und wichtige Entscheidungen aufgeschoben werden. Die Kritik richtet sich nun zunehmend an die Chefs.
„Zwar sind zwei Drittel der Bürokratie fremdverursacht. Aber gerade weil man das sehr wenig beeinflussen kann, müssen Unternehmen ihre eigenen Prozesse kritisch hinterfragen. In dieser Hinsicht sind die Firmen keinen Schritt weitergekommen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich an diesen Zahlen trotz lebhafter öffentlicher Klagen praktisch nichts verändert. Bei 22,9 % interner Firmokratie drängt sich unmittelbar die Frage auf, warum das verantwortliche Management nicht dringend handelt“, so Studienautor Dr. Bodo Antonic, selbst Geschäftsführer mehrerer Unternehmen.
Als Ursachen der Bürokratie identifiziert die Studie insbesondere den Wunsch nach rechtlicher Absicherung, den 56,9% der Befragten angeben. Auch hier hakt Dr. Antonic ein: „Die Kultur des rechtlichen Absicherns steht im Widerspruch zu der weit verbreiteten Klage über Bürokratie. Verantwortliche Manager müssen wieder lernen, Risiken richtig einzuschätzen und auf dieser Basis auch Unsicherheiten in Kauf zu nehmen. Wer sich gegen alles und jeden absichern will, trägt selbst zur Verkomplizierung und Bürokratisierung bei.“
Als weitere Ursachen der Bürokratie werden allgemein umständlichen Arbeitsprozesse mit 40,2 % sowie das Kontrollbedürfnis der Vorgesetzten mit 29,8% genannt. „Die Beschäftigten geben hier einen deutlichen Fingerzeig auf interne Faktoren, die jedes Unternehmen selbst in der Hand hat“, so Dr. Antonic.
Unterschiedliche Perspektiven
Beim Blick auf die Ursachen unterscheiden sich auch die Perspektiven von Chefs und allen anderen beschäftigten. Während das Kontrollbedürfnis der Vorgesetzten als eine wichtige Ursache bei den Angestellten mit 32,8 % und bei den Arbeitern mit 27,6% genannt wird, geben die leitenden Angestellten hier lediglich 23,7 % an und schätzen diesen Faktor also deutlich geringer ein. Umgekehrt bemängeln die Chefs stattdessen das bürokratische Denken im Unternehmen mit 24,2 %, was bei Arbeitern und Angestellten nur 17% so sehen. Die hier auseinander driftende Wahrnehmung zeigt sich noch an weiteren Punkten. Leitende Angestellte sind mit 30,8% deutlich häufiger der Meinung, ihr Unternehmen sei insgesamt gar nicht bürokratisch. Bei Angestellten und Arbeitern teilen nur gut 22% diese Einschätzung. Und auch den Ursprung der Bürokratie sehen die Leitenden zu drei Vierteln ausserhalb des eigenen Unternehmens, bei Angestellten und Arbeitern schätzen das nur gut 61% so ein. Studienautor Dr. Bodo Antonic warnt: „Wir sehen hier fast schon eine Form der Realitätsverweigerung bei Leitenden Angestellten. Man kann oder will das Problem interner Bürokratie nicht sehen und neigt dazu, dann auch noch die Verantwortung abzuschieben. Die Regeln werden aber immer oben gemacht, man muss sich als Manager immer zuerst an die eigene Nase fassen.“
Folgen im Unternehmen
Die Folgen der externen Bürokratie und internen Firmokratie sind weitreichend. 64,5 % der Befragten beklagen unnötige Mehrarbeit, bei 52,2% bleibt die eigentliche Arbeit liegen und 51,2% erleben, dass Entscheidungen zu lange dauern und Zeit verloren geht. Auch andere Faktoren erreicht eine kritische Dimension, so sagen 45,8%, dass die Motivation zur Arbeit verloren geht und 40% beklagen zunehmenden Stress. Dabei gehen auch in diesem Punkt die Wahrnehmungen auseinander. Während bei den Angestellten 46,1% zunehmenden Stress empfinden, sehen das nur 31,8% der leitenden Angestellten so. Dr. Bodo Antonic warnt: „Die Mitarbeiter leiden unter Bürokratie genauso wie die Kunden. Wir machen zu viel, was keiner wirklich braucht, und halten die Leute davon ab, produktiv zu sein. Wir müssen bei der Gestaltung der Arbeitsprozesse den Kunden und damit wieder die wirklich sinnvollen und wertschöpfenden Tätigkeiten in den Mittelpunkt stellen.“
Sein Appell an das Management kommt aus der Praxis: „Dort wo ich rangehen kann, muss ich auch rangehen. Ökonomisch ist das ein Imperativ, es gibt keine andere Wahl. Also sollten wir im Management aktiv die Verantwortung für den Abbau von Firmokratie übernehmen. Wir dürfen uns diese Verantwortung nicht abnehmen lassen, sie nicht delegieren und auch nicht einfach an die Politik abschieben. Machen wir bitte unseren Job, den Job, für den wir da sind“
Über die Studie
Für die Studie im Auftrag des Beratungsunternehmens die kontur wurden im November und Dezember 2025 durch das Marktforschungsunternehmen civey 2500 Erwerbstätige in Deutschland befragt.
Eine kurze Zusammenfassung der Studie ist kostenlos hier erhältlich: https://bodo-antonic.de/
Über Die Kontur
Das Beratungsunternehmen „die kontur“ wurde 2018 in Luzern (Schweiz) gegründet. Geschäftsführer Dr. Bodo Antonic ist seit zwanzig Jahren als Krisen- und Turnaround-Manager tätig. Er berät zu Fragen der Business Continuity, veröffentlicht und hält Vorträge zum Thema. Für ein Projekt in Österreich wurde Dr. Bodo Antonic dort mehrfach als Interim-Manager das Jahres ausgezeichnet. 2024 wurde er von der Augsburg Business School zum Steinbeis „Expert oft the year“ im Bereich Interim Management gewählt.
Zuletzt steuerte er ein Kapitel zum Buch Hilgenstock / Richter / Gutowski, Business Transformation: Interim Manager berichten aus der Praxis bei (ISBN 978-3-9867400-9-2). Es trägt den Titel: So werden Menschen und Unternehmen resilient.
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Original-Content von: die Kontur – Dr. Bodo Antonic, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots
