Mehr als 36.000 Kilometer pro Jahr: 5,6 Prozent der überprüften Gebrauchtwagen haben eine besonders hohe Laufleistung

Hamburg (ots) –

Bei Kauf eines Gebrauchtwagens achten die meisten Autofahrer zunächst auf den Kilometerstand. Je niedriger die Laufleistung, desto größer ist in der Regel das Interesse an einem Fahrzeug. Automobilexperten weisen jedoch darauf hin, dass nicht nur die gefahrenen Kilometer entscheidend sind, sondern auch der Zeitraum, in dem diese zurückgelegt wurden.

Einige Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt wurden zuvor intensiv gewerblich genutzt – etwa als Taxis, Mietwagen, Lieferfahrzeuge oder für andere kommerzielle Zwecke. Äußerlich unterscheiden sie sich dabei nicht zwangsläufig von gewöhnlichen Privatfahrzeugen. Werden jedoch innerhalb weniger Jahre Hunderttausende Kilometer zurückgelegt, kann dies zu einem erhöhten Verschleiß verschiedener Fahrzeugkomponenten führen.

Das IT-Datenunternehmen carVertical hat untersucht, wie häufig intensiv genutzte Fahrzeuge auf dem deutschen Markt vorkommen und welche Modelle dabei besonders hervorstechen.

Intensiv gefahrene Autos weisen stärkeren Verschleiß auf als gewöhnlich genutzte Fahrzeuge

Der Kilometerstand eines Fahrzeugs kann viel über dessen Zustand verraten. Autos mit hoher Laufleistung können einen stärkeren Verschleiß an Bremsen, Fahrwerks- und Lenkungskomponenten, Motor- und Getriebeteilen, Kupplung, Sitzen, Türgriffen, Pedalen, Lenkrad und Innenraumverkleidung aufweisen.

In der carVertical-Studie gilt ein Fahrzeug als intensiv gefahren, wenn seine jährliche Laufleistung mehr als 36.000 Kilometer beziehungsweise 3.000 Kilometer pro Monat beträgt. Von allen Fahrzeugen, die carVertical-Nutzer in Deutschland in den Jahren 2025 und 2026 überprüften, fielen 5,6 Prozent in diese Kategorie.

Fahrzeuge, die als Taxis, für Fahrdienste oder Transportdienstleistungen eingesetzt werden, sind häufig über lange Zeiträume im Stadtverkehr unterwegs. Ständiges Beschleunigen und Bremsen, Kurzstreckenfahrten, häufiges Ein- und Aussteigen von Fahrgästen sowie das Be- und Entladen von Waren tragen zu einem erhöhten Verschleiß von Motor, Fahrwerk, Innenraum, Getriebe und anderen Komponenten bei.

Tony Osmancevic, Head of Business Operations & Marketing beim ASG Remscheid Autohaus, ordnet ein:

„Eine hohe Laufleistung allein muss nicht zwangsläufig problematisch sein. Entscheidend ist vielmehr, wie ein Fahrzeug genutzt und gewartet wurde. 100.000 Kilometer überwiegend auf der Autobahn können ein Fahrzeug deutlich weniger beanspruchen als die gleiche Laufleistung im täglichen Stadtverkehr. Gerade häufige Fahrerwechsel können zu erhöhtem Verschleiß führen. Das betrifft beispielsweise Bremsen, Fahrwerk, Getriebe und natürlich auch den Innenraum. Deshalb ist für uns neben dem Kilometerstand vor allem wichtig, ob Zustand, Wartung und Fahrzeughistorie ein stimmiges Gesamtbild ergeben.“

Mercedes-Benz Vito mit besonders hoher Laufleistung

Die carVertical-Auswertung identifizierte außerdem die Modelle, die in Deutschland besonders häufig eine intensive Nutzung aufweisen. Unter den von carVertical in Deutschland überprüften Fahrzeugen stach der Mercedes-Benz Vito hervor: 19,5 Prozent der überprüften Vito überschnitten den Schwellenwert von 36.000 Kilometern pro Jahr. Es folgten der Volkswagen Touran (16,7 Prozent), der Volkswagen Passat (16,3 Prozent), die Mercedes-Benz V-Klasse (15 Prozent) und der Skoda Kodiaq (13,2 Prozent).

Diese Modelle werden aufgrund ihrer Praxistauglichkeit, Effizienz und ihrer Eignung für hohe Laufleistungen häufig für den professionellen Einsatz gewählt und sind daher bei Unternehmen und Dienstleistern beliebt. Gleichzeitig schätzen auch Privatkäufer sie aus denselben Gründen und verbinden diese Fahrzeuge mit Komfort, Langlebigkeit und erschwinglichen Wartungskosten.

Während klassische Taxis im Stadtbild leicht zu erkennen sind, unterscheiden sich viele Fahrzeuge, die zuvor als Mietwagen, für Transportdienstleistungen, Carsharing oder Geschäftsreisen eingesetzt wurden, beim späteren Verkauf auf dem Gebrauchtwagenmarkt äußerlich nicht von gewöhnlichen Pkw.

„Wenn ein relativ neues Fahrzeug eine ungewöhnlich hohe Laufleistung aufweist, besteht eine gute Chance, dass es zuvor zu einer Unternehmensflotte gehört oder von Fahrdienstleistern, Kurieren oder anderen Dienstleistern genutzt wurde. Käufer sollten sich nicht allein von einem attraktiven Erscheinungsbild oder Preis verleiten lassen, sondern das Fahrzeug gründlich in einer Werkstatt überprüfen lassen, da möglicherweise schon bald kostspielige Reparaturen erforderlich werden“, erklärt Matas Buzelis, Automobilexperte bei carVertical.

Dass sich eine intensive Nutzung nicht immer auf den ersten Blick erkennen lässt, bestätigt auch Osmancevic:

„Es gibt durchaus erste Hinweise auf eine intensive Nutzung. Stark abgenutzte Sitzwangen, Lenkräder, Pedale oder Bedienelemente können beispielsweise auffällig sein. Auch der Einstiegsbereich oder der Kofferraum können entsprechende Gebrauchsspuren zeigen. Allerdings lassen sich viele optische Spuren durch eine professionelle Aufbereitung oder den Austausch einzelner Teile relativ gut beseitigen. Deshalb kann man allein anhand der Optik keine sichere Aussage treffen. Gerade für private Käufer ist es wichtig, sich nicht nur vom ersten Eindruck oder einem niedrigen Kilometerstand überzeugen zu lassen, sondern auch den technischen Zustand und die Historie des Fahrzeugs zu prüfen.“

Fehlender grenzüberschreitender Datenaustausch lässt Käufer im Unklaren

Unter den Fahrzeugen mit Taxi-Einträgen, die carVertical identifiziert hat, ist ein erheblicher Anteil importiert. Dies deutet darauf hin, dass einige Autos im Ausland intensiv als Taxis genutzt worden sein könnten, bevor sie als reguläre Gebrauchtwagen auf den deutschen Markt gelangten. Unseriöse Verkäufer versuchen häufig, diese Informationen zu verschleiern, da Käufer ehemalige Taxis in der Regel meiden.

Da Länder Fahrzeugdaten nicht systematisch untereinander austauschen, kann es schwierig sein, die Historie eines Fahrzeugs über Ländergrenzen hinweg nachzuverfolgen. Ohne Zugang zu historischen Daten bleiben Käufer im Unklaren und laufen Gefahr, ein schlecht gewartetes Fahrzeug zu erwerben.

„Der grenzüberschreitende Handel erschwert es, die Risiken einer intensiven Nutzung zu erkennen. Ein Auto kann in einem Land intensiv genutzt worden sein und später auf einem anderen Markt als gewöhnlicher Gebrauchtwagen erscheinen. Wenn die historischen Daten nicht mit dem Fahrzeug weitergegeben werden, können Käufer lediglich das Erscheinungsbild, den Preis und den aktuellen Kilometerstand beurteilen – und das reicht nicht aus“, sagt Buzelis.

In den Berichten von carVertical finden Käufer den Abschnitt „Fahrgewohnheiten“, der dabei helfen kann zu erkennen, wann ein Fahrzeug den Großteil seiner Kilometer zurückgelegt hat und ob es Phasen ungewöhnlich intensiver Nutzung gab. Dieser Kontext ist insbesondere bei importierten Fahrzeugen von Bedeutung. Ein Fahrzeug, das sich scheinbar in ausgezeichnetem Zustand befindet, kann schwerwiegende Probleme verbergen, darunter Tachomanipulationen und stark verschlissene mechanische Komponenten. Mithilfe eines Fahrzeughistorienberichts können Käufer mehrere Fahrzeuge miteinander vergleichen und schlechte Kaufentscheidungen vermeiden.

Methodik

Die carVertical-Studie analysierte Fahrzeugberichte, die von den Nutzern des Unternehmens in EU-Ländern zwischen August 2025 bis Juli 2026 erworben wurden.

Darüber hinaus basiert diese carVertical-Studie auf einer Umfrage, die auf dem Ladebildschirm des carVertical-Berichts angezeigt wurde und zwischen Oktober bis November 2025 mit rund 10.000 Befragten in 37 Ländern durchgeführt wurde, darunter über 1.000 Befragte in Deutschland. Da sich die Umfrage ausschließlich an carVertical-Nutzer richtete, repräsentiert die Stichprobe Personen, die sich aktiv für Gebrauchtwagen interessieren.

Über carVertical

carVertical ist ein IT-Datenunternehmen, das riesige Mengen an Fahrzeugdaten aus über 1000 weltweiten Quellen sammelt und standardisiert, darunter nationale und bundesstaatliche Register von Strafverfolgungsbehörden, Finanzinstitute und Kleinanzeigenportale in 37 Ländern. Anschließend bündeln wir diese komplexen Daten in innovativen und benutzerfreundlichen B2B- und B2C-Produkten und verwandeln so Rohdaten in wertvolle Marktinformationen, Prognosen und umfassende Fahrzeugberichte.

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Quelle: ots